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Du lernst, was Gitterenthalpie (Gitterenergie) bedeutet und warum sie sich nicht direkt messen lässt. Am Beispiel von Kochsalz (NaCl) zeigt der Born-Haber-Kreisprozess, wie man die Gitterenthalpie mithilfe des Satzes von Hess aus fünf messbaren Teilschritten berechnet.

9.2 Gitterenergien – Born-Haber-Kreisprozess

Gitterenthalpie: Energie, die frei wird, wenn Ionen aus dem Gaszustand (unendliche Entfernung) zu einem Kristallgitter zusammenfinden. Sie ist ein Maß für die Stabilität eines Ionenkristalls.

⚠️ Hinweis: Streng genommen unterscheiden sich Gitterenergie (bei 0 K, kein Druck) und Gitterenthalpie (bei konstantem Druck). Im Schulunterricht werden beide Begriffe oft gleichgesetzt.

Die Gitterenthalpie von Kochsalz (NaCl) ist experimentell nicht direkt bestimmbar → Anwendung des Satzes von Hess im Born-Haber-Kreisprozess.

Born-Haber-Kreisprozess für NaCl

Na+(g) + e + Cl(g)
Ionisierungsenergie
ΔHIon = +496 kJ/mol
Elektronenaffinität
ΔHEA = −349 kJ/mol
Na(g) + Cl(g)
Na+(g) + Cl(g)
Dissoziationsenergie
(Betrag Bindungsenergie Cl–Cl)
ΔHDis = ½ · 243 = +122 kJ/mol
Gitterenthalpie
ΔH°Gitter = −788 kJ/mol
Na(g) + ½ Cl₂(g)
Sublimationsenthalpie
ΔHSub = +108 kJ/mol
Na(s) + ½ Cl₂(g)     ← Ausgangszustand
Bildungsenthalpie    ΔH°f = −411 kJ/mol
Na+Cl(s)

verändert nach Mortimer – Chemie; W. Hölzel

ΔH°f  =   ΔHSub + ΔHDis + ΔHIon + ΔHEA + ΔH°Gitter
ΔH°Gitter  =  −788 kJ/mol

🖼 Born-Haber-Kreisprozess als Bild anzeigen

Rechenweg: Gitterenthalpie berechnen

Umstellen der Formel nach ΔH°Gitter:

ΔH°Gitter = ΔH°f − ΔHSub − ΔHDis − ΔHIon − ΔHEA
= (−411) − (+108) − (+122) − (+496) − (−349)
= −411 − 108 − 122 − 496 + 349
ΔH°Gitter = −788 kJ/mol

Merke: Die Gitterenthalpie von NaCl beträgt −788 kJ/mol. Das negative Vorzeichen zeigt: Die Bildung des Gitters aus Gasionen ist stark exotherm – der Kristall ist energetisch sehr stabil.

Die fünf Schritte des Born-Haber-Kreisprozesses

Schritt Prozess Reaktion ΔH / kJ·mol⁻¹
1 Sublimation (Na) Na(s) → Na(g) +108
2 Dissoziation (½ Cl₂) ½ Cl₂(g) → Cl(g) +122
3 Ionisierung (Na) Na(g) → Na⁺(g) + e⁻ +496
4 Elektronenaffinität (Cl) Cl(g) + e⁻ → Cl⁻(g) −349
5 Gitterbildung Na⁺(g) + Cl⁻(g) → NaCl(s) −788 (gesucht)
Σ Bildungsenthalpie (Satz von Hess) Na(s) + ½ Cl₂(g) → NaCl(s) −411 ✓

Auf einen Blick – die wichtigsten Aussagen

Gitterenthalpie

Energie bei Gitterbildung aus Gasionen. NaCl: −788 kJ/mol (stark exotherm). Experimentell nicht direkt messbar.

Born-Haber-Kreisprozess

Satz von Hess: ΔH°f = ΔHSub + ΔHDis + ΔHIon + ΔHEA + ΔH°Gitter

Endotherme Schritte

Sublimation (+108), Dissoziation (+122), Ionisierung (+496) – alle benötigen Energie.

Exotherme Schritte

Elektronenaffinität (−349) + Gitterbildung (−788) setzen Energie frei – insgesamt exotherme Bildung.

Häufige Fragen zum Born-Haber-Kreisprozess

Warum kann die Gitterenthalpie nicht direkt gemessen werden?

Um die Gitterenthalpie direkt zu messen, müsste man Na⁺(g) und Cl⁻(g) aus dem Gaszustand zum Kristall zusammenführen und dabei die Wärme messen. Gasförmige Ionen lassen sich aber kaum in ausreichender Menge erzeugen und kontrolliert zur Reaktion bringen. Deshalb berechnet man den Wert indirekt über den Satz von Hess – das ist die Idee des Born-Haber-Kreisprozesses.

Was ist der Unterschied zwischen Sublimationsenthalpie und Verdampfungsenthalpie?

Die Sublimationsenthalpie beschreibt den direkten Übergang vom festen in den gasförmigen Zustand (Na(s) → Na(g)), also ohne Umweg über die Flüssigphase. Die Verdampfungsenthalpie beschreibt nur den Übergang flüssig → gasförmig. Bei Metallen wie Natrium, die bei Raumtemperatur fest sind, ist die Sublimationsenthalpie der relevante Wert.

Warum hat die Elektronenaffinität ein negatives Vorzeichen?

Die Elektronenaffinität (ΔHEA = −349 kJ/mol für Cl) ist negativ, weil das Chloratom ein Elektron aufnimmt und dabei Energie freisetzt. Das Chlorid-Ion Cl⁻ befindet sich in einem energetisch günstigeren Zustand als das neutrale Chloratom. Die Elektronenaffinität ist also exotherm.

Warum ist die Ionisierungsenergie positiv?

Ionisierungsenergie ist immer endotherm (+), weil man einem Atom ein Elektron entreißt – das kostet stets Energie. Bei Natrium beträgt sie +496 kJ/mol. Das ist der Grund, warum Natrium-Metall für sich keine spontane Ionenbildung zeigt – erst die anschließende Gitterbildung (−788 kJ/mol) und Elektronenübertragung auf ein Chloratom machen die Gesamtreaktion exotherm und triebkräftig.

Wie hängt Born-Haber-Kreisprozess mit Satz von Hess und Standardbildungsenthalpie zusammen?

Der Born-Haber-Kreisprozess ist eine direkte Anwendung des Satzes von Hess: Die Bildungsenthalpie ΔH°f (→ Abschnitt 8.3) ist gleich der Summe aller Teilschritte des Kreisprozesses. Da fünf dieser sechs Größen messbar sind, kann die sechste (Gitterenthalpie) berechnet werden.

Lernkarten – Born-Haber-Kreisprozess

Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.

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Was versteht man unter Gitterenthalpie und warum ist sie nicht direkt messbar?

Energie bei Gitterbildung aus Gasionen. Nicht messbar, weil gasförmige Ionen in ausreichender Menge für eine Kalorimetrie nicht zugänglich sind → indirekter Weg über Born-Haber.

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Nenne die 5 Schritte des Born-Haber-Kreisprozesses für NaCl.

1. Sublimation Na(s)→Na(g)
2. Dissoziation ½Cl₂→Cl(g)
3. Ionisierung Na→Na⁺+e⁻
4. Elektronenaffinität Cl+e⁻→Cl⁻
5. Gitterbildung Na⁺+Cl⁻→NaCl(s)

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Welche der 5 Schritte sind endotherm, welche exotherm?

Endotherm (+): Sublimation, Dissoziation, Ionisierung
Exotherm (−): Elektronenaffinität, Gitterbildung
(Gitterbildung überwiegt → Gesamtreaktion exotherm)

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Formel: Wie berechnet man ΔH°Gitter aus den anderen Größen?

ΔH°Gitter = ΔH°f − ΔHSub − ΔHDis − ΔHIon − ΔHEA

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🔢 ΔH°f=−411, ΔHSub=+108, ΔHDis=+122, ΔHIon=+496, ΔHEA=−349 kJ/mol
Berechne ΔH°Gitter.

= −411 − 108 − 122 − 496 − (−349)
= −411 − 726 + 349
= −788 kJ/mol

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