Kondensationsreaktion

  • 04.1.7 Glycosid- bzw. Vollacetalbildung

    zu 4.1.7 Reaktionen der Monosaccharide 

    Glycosidbildung (~Halbacetal, Vollacetal)

    a) Aldehyd + Alkohol          ⇌           Halbacetal (nucleophile Addition) 

    b) Halbacetal  + Alkohol         ⇌            (Voll)Acetal + Wasser        

    Typische Kondensationsreaktion (unter Wasserabspaltung)

     

    Beispiel:
    β-D-Glucose + Methanol ⇌ β-Methyl-Glucosid + Wasser

     

    Reaktionsgleichung mit Lewis-Formel - Reaktion von Alkohol und Glucose unter Bildung eines Glycosids



    Zucker           +                      Alkohol          ⇌                     Glycosid                           +  Wasser
    Fructose         +                      Alkohol          ⇌                    Fructosid                          + Wasser
    Glucose         +                       Alkohol          ⇌                    Glucosid                            + Wasser

    Reaktionen von Zuckern untereinander ergeben Di-, Oligo- und Polysaccharide

  • 04.2 Disaccharide

    4.2 Disaccharide

    4.2.1 Maltose (Malzzucker)

    Vorkommen: Entsteht durch unvollständige Hydrolyse von Stärke .

    Stärke  -----(Enzym: Amylase)----->   Maltose

    Verwendung: Gerstenmalz (Bier brauen)

    Eigenschaften:

    • Fehling positiv
    • zeigt Mutarotation
    • besteht aus 2 α-D-Glucoseeinheiten, α-1→4 glycosidisch verknüpft.


    Strukturformel in Haworth-Projektion - Verknüpfung

    Schema bzgl. reduzierender und nicht reduzierender Zucker



    4.2.2 Cellobiose 

    Vorkommen: Verdauungsprodukt von Pflanzenfressern aus Zellulose

    Eigenschaften:

    • Fehling positiv
    • zeigt Mutarotation
    • besteht aus 2 β-D-Glucoseeinheiten, β 1 → 4 glycosidisch verknüpft.

    Verknüpfung von beta-Glucose zu Cellobiose



    4.2.3 Lactose (Milchzucker)


    Vorkommen: Muttermilch von Säugetiere (1,5 – 8 %)

    Eigenschaften:

    • Fehling positiv
    • zeigt Mutarotation
       Hydrolyse ergibt β-D-Glucose und β-D-Galactose, β-1 → 4 glycosidisch verknüpft.

     Bildung von Lactose aus Glucose und Galactose









  • 04.2.4 Saccharose

    4.2.4 Saccharose (Rohr- oder Rübenzucker)

    Vorkommen: Haushaltszucker, Kristallzucker, Zuckerrüben (18-20%), Zuckerrohr (16-22%)

    Summenformel: C12H22O11  →  Dissaccharide (2 Moleküle Monosaccharid minus 1 Molekül Wasser)

    Physikalische Eigenschaften:

    • hoher Schmelzpunkt (ca. 180°C)
    • harte Kristalle

    Folgerung:

    • Molekülgitter mit vielen H-Brückenbindungen
    • sehr leicht löslich in Wasser
    • eine Rohrzuckerlösung ist zähflüssig  → viele Wasserstoffbrücken

     Chemische Eigenschaften:

    • Fehling negativ
    • zeigt keine Mutarotation

    Schülerexperiment: Nach einer Hydrolyse mit verdünnter Salzsäure:

    • Fehling positiv
    • Saccharose besteht aus α-D-Glucose und β-D-Fructose
    • Beide Monosaccharide sind α-1→2-glycosidisch verknüpft   

     zz10 ta saccharose

     

     

    Schema Saccharose - blockiertes anomeres C-Atom 

    Spaltung der Saccharose mit verdünnter Salzsäure = saure Hydrolyse

     Schulversuche zur Spaltung von Saccharose mit Seliwanoff-Probe, Fehling und GOD-Test

                      färbt sich rosa                                      roter Niederschlag                         positiv

                      enthält Fructose                                   Aldehydgruppe                             Glucose

     

     Reaktionsschema zur Spaltung von Saccharose in alpha-D-Glucose und alpha-D-Fructose

    Unter Hydrolyse versteht man einen Vorgang, bei dem Atombindungen unter Aufnahme von Wasser gespalten werden (Bsp. Esterspaltungen).

    Wichtig: die leichte Hydrolisierbarkeit spricht für eine Verknüpfung über Sauerstoff.

     

     Schemaskizze Glucose und Fructose

     

    4.2.5 Invertzucker

    Saccharose dreht die Ebene des polarisierten Lichts nach rechts. Während der Hydrolyse (durch verdünnte Salzsäure oder Ferment/Enzym Invertase) nimmt die Drehung fortwährend ab und geht in eine Linksdrehung über:

    Saccharose +      Wasser       →       D-Glucose    +        D-Fructose
     +66°         +         0°                     + 54,7                    - 92,4

    Zahlenwerte αsp in ml/(g • dm)

    Man bezeichnet daher diese Spaltung als Inversion des Rohrzuckers und das entstehende Gemisch als Invertzucker.

    Inversion: Vorzeichenwechsel der optischen Aktivität im Verlauf einer Reaktion optisch aktiver Verbindungen.

  • 04.3 Polysaccharide-amylose

    5.4.3 Polysaccharide

    • Wichtigsten Beispiele: Stärke, Glykogen (tier. Stärke), Cellulose
    • Funktion: Speicher- und Gerüstsubstanz
    • Monomere der genannten Beispiele: Glucose; unterschiedl. Verknüpfung

    4.3.1 Stärke

    a) Vorkommen

    • Pflanzen (Speicherstoff, osmotisch nicht wirksam)
    • Nahrungsmittel (Brot, Teigwaren, Kartoffel, usw.), 

    b) Aufbau eines Stärkemoleküls:

    Strukturformel in Haworth-Projektion von Amylose - Staerke




    c) Bau: α-D-Glucose – Stärkekorn

      Amyolse Amylopektin
    Anteil: (10-30%)  (70-90%)
    Bau:

     linearen Ketten (helikaler

    (Schrauben-)Struktur)

    stark verzweigten Strukturen
    Verknüpfung α-1,4-glykosidisch

    α-1,4-glykosidischen
    α-1,6-glykosidischen 

    Löslichkeit in heißem Wasser kolloidal löslich  unlöslich
    Mit I2 bildet es __ Lösung blaue violette
    Im Stärkekorn Hülle Innen


    d) Nachweis: Iodstärke-Reaktion

    Versuch: Zu einer Stärkelösung gibt man ein paar Tropfen einer Lösung von Iod in Kaliumiodid (Iod-Kaliumiodid-Lösung, Lugolsche Lösung) Elementares Iod ist in Wasser kaum löslich. Liegen jedoch schon gelöste Iodid-Ionen vor, löst sich das Iod unter Bildung von Polyiodidionen:

    2 I2 + I-  →   I3-  +   I2   →  I5-

    Beobachtung: Lösung wird tiefblau
    Beim Erhitzen wird die Lösung hell, beim Abkühlen wieder tiefblau

    Erklärung: Die Stärkemoleküle sind spiralig angeordnet, in den entstehenden Hohlraum lagern sich Jodmoleküle ein die dort durch van-der-Waals-Kräfte gebunden werden. Eine blaue Iod-Stärke-Einlagerungsverbindung bildet sich. Das gelbe Licht wird absorbiert, die Lösung erscheint blau. Beim Erhitzen nimmt die Beweglichkeit der I2-Moleküle zu, so dass beim Erhitzen eine Entfärbung eintritt.

     

     

    Eigenschaften von Stärke (Amylose) 

    • in kaltem Wasser: unlöslich
    • heißem Wasser: löslich 
    • schmeckt nicht süß
    • kolloide Lösung (Kolloide: Moleküle oder Aggregate, die sich aus etw. 103 bis 109 Atomen zusammensetzt und in einem Dispersionsmittel verteilt sind).

     

    Versuch:  


    Versuchsaufbau zum Tyndall-Effekt einmal Kochsalzlösung und einmal Stärkelösung
     



    Beobachtung:
    Im Gegensatz zu NaCl-Lösung ist der Verlauf des Lichtes in der Stärkelösung sichtbar (= Tyndall-Effekt).

    Erklärung:
    Gebündeltes Licht wird beim Durchgang durch kolloid- oder molekulardisperse Systeme gestreut (d.H. jedes Teilchen streut einen Teil des auftreffenden Lichtes in alle Richtungen des Raums. Dieser von Tyndall 1868 erstmals untersuchte Effekt tritt immer dann auf, wenn Teilchen vorliegen, deren Größe etwa der Wellenlänge des Lichtes entsprechen. Solche Teilchen haben einen Durchmesser von 1 bis 1000 nm.

    van-der-Waals-Kräfte/strong

  • 2.5 Estergleichgewicht

    Was du auf dieser Seite lernst

    Du lernst, wie Carbonsäuren und Alkohole in einer Kondensationsreaktion zu Estern und Wasser reagieren. Am Beispiel des Estergleichgewichts (Essigsäure + Ethanol) wird deutlich, dass sowohl Hin- als auch Rückreaktion zum gleichen Endzustand führen – ein klassisches Beispiel für ein chemisches Gleichgewicht.

    Grundlagen aus der 10. Klasse

    Die Grundlagen zu Carbonsäuren und Alkoholen hast du bereits in der 10. Klasse kennengelernt:
    → Essigsäure / Ethansäure (Kl. 10) · → Alkohole / Alkanole (Kl. 10)

    2.5 Estergleichgewicht

    Allgemeine Reaktion

    Carbonsäure + Alkohol ⇌ Ester + Wasser

    Wer sich an die 10. Klasse erinnern kann, kann ja mal versuchen, die Reaktionsgleichung für Ethansäure und Ethanol zu formulieren.

    Tipp 1: Es handelt sich um eine Kondensationsreaktion – zwei Moleküle verbinden sich unter Abspaltung eines kleinen Moleküls (hier: Wasser).

    Tipp 2: Es reagieren meist die funktionellen Gruppen miteinander und selten die Alkylgruppen.

    Allgemeine Reaktionsgleichung (Summenformeln)

    R–COOH  +  R'–OH  ⇌  R–COO–R'  +  H2O

    Carbonsäure + Alkohol ⇌ Ester + Wasser  |  Katalysator: H+ (z. B. konz. H2SO4)

    Lösung: Reaktionsgleichung Ethansäure + Ethanol

    Strukturformelgleichung: Ethansäure (Essigsäure) reagiert mit Ethanol zu Ethansäureethylester (Essigsäureethylester) und Wasser – Kondensationsreaktion

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    Reaktionsgleichung in Summenformeln

    CH3COOH  +  C2H5OH  ⇌  CH3COOC2H5  +  H2O

    Ethansäure (Essigsäure) + Ethanol ⇌ Ethansäureethylester (Essigsäureethylester) + Wasser

    Geruch der Edukte: stechend (Essigsäure) – Geruch des Esters: Klebstoff
    → Kondensationsreaktion!

    Strukturformelgleichung Vergrößerung: Ethansäure + Ethanol ergibt Ethansäureethylester + Wasser (Kondensationsreaktion)

    Mechanismus der Veresterung (säurekatalysiert)

    Der Mechanismus der säurekatalysierten Veresterung verläuft in vier reversiblen Teilschritten. Der Katalysator (H+) wird am Ende wieder freigesetzt:

    Reaktionsmechanismus der Esterbildung: 4 Schritte – Protonierung der Carbonsäure, Bildung des Carbokations, Angriff des Alkohols (Oxoniumion), Wasserabspaltung und Protonenabgabe

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    Die 4 Teilschritte in Kurzform

    1. Protonierung der Carbonylfunktion der Carbonsäure → Carbokation
    2. Nukleophiler Angriff des Alkohols (freies Elektronenpaar) → Oxoniumion
    3. Protonenumlagerung → Wasserabspaltung → erneutes Carbokation
    4. Protonenabspaltung (H+ wird regeneriert) → Carbonsäureester

    Alle Teilschritte sind reversibel (⇌). Der H+-Katalysator beschleunigt die Reaktion, verschiebt aber das Gleichgewicht nicht.

    Reaktionsmechanismus der Esterbildung vergrößert: alle 4 Teilschritte mit Zwischenprodukten Carbokation und Oxoniumion

    Das Estergleichgewicht – Nachweis durch zwei Versuchsansätze

    Versuchsansatz 1 (Hinreaktion): Man gibt 1 mol Carbonsäure und 1 mol Alkohol zusammen.
    Versuchsansatz 2 (Rückreaktion): Man gibt 1 mol Ester und 1 mol Wasser zusammen.

    Tipp: Was erwartest du?

    Schau dir nochmals die Merkmale eines chemischen Gleichgewichts an. Ein echtes Gleichgewicht wird vom gleichen Endzustand aus erreicht – egal von welcher Seite man startet.

    Lösung: Ergebnis des Experiments

    Ergebnis: Man erhält in beiden Fällen denselben Endzustand.

    Estergleichgewicht: Diagramm zeigt, dass Versuchsansatz 1 (1 mol S + 1 mol A) und Versuchsansatz 2 (1 mol E + 1 mol W) zum gleichen Endzustand führen: je 1/3 mol S, 1/3 mol A, 2/3 mol E, 2/3 mol W

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    Reaktionsgleichung und Mengenverhältnisse im Gleichgewicht

    CH3COOH  +  C2H5OH  ⇌  CH3COOC2H5  +  H2O

    Zeitpunkt n(CH3COOH) n(C2H5OH) n(Ester) n(H2O)
    Anfang 1 (Hinreaktion) 1 mol 1 mol 0 mol 0 mol
    Gleichgewicht ⅓ mol ⅓ mol ⅔ mol ⅔ mol
    Anfang 2 (Rückreaktion) 0 mol 0 mol 1 mol 1 mol
    Estergleichgewicht Diagramm vergrößert: Reaktionsgefäße zeigen gleichen Endzustand aus Hinreaktion und Rückreaktion

    Quantitativer Nachweis: Titration der Carbonsäure

    Man kann in beiden Versuchsansätzen die vorhandene Carbonsäuremenge durch quantitative Reaktion mit Natronlauge (Titration) messen.

    Reaktionsgleichung der Titration (Summenformeln)

    CH3COOH  +  NaOH  →  CH3COONa  +  H2O

    Essigsäure reagiert vollständig und quantitativ mit NaOH. Mit 0,1 M NaOH und dem Verbrauch kann die Säuremenge berechnet werden: n(CH3COOH) = c(NaOH) · V(NaOH)

    Titrationsapparatur: Bürette mit 0,1 M NaOH, Erlenmeyerkolben mit 2 ml Gemisch aus Flasche 1 (oder 2), 150 ml kaltem Wasser und 4 Tropfen Phenolphthalein als Indikator

    ↑ Zum Vergrößern klicken

    Titrationsapparatur vergrößert: Bürette 0,1 M NaOH, Erlenmeyerkolben mit Essigsäure-Gemisch, Phenolphthalein, Magnetrührer

    Auf einen Blick – die wichtigsten Aussagen

    KONDENSATIONSREAKTION

    Bei der Veresterung verbinden sich Carbonsäure und Alkohol unter Abspaltung von Wasser – typische Kondensationsreaktion.

    MECHANISMUS

    4 reversible Schritte: Protonierung → Carbokation → Oxoniumion → Wasserabspaltung → Ester. H+ ist Katalysator.

    GLEICHGEWICHT

    Hin- und Rückreaktion erreichen denselben Endzustand: ⅔ mol Ester + ⅔ mol Wasser (aus je 1 mol Edukt).

    TITRATION

    Der Gleichgewichtszustand lässt sich quantitativ nachweisen: Die Carbonsäuremenge wird durch Titration mit NaOH bestimmt.

    Häufige Fragen – Estergleichgewicht

    Was ist eine Kondensationsreaktion und warum ist die Veresterung eine solche?

    Bei einer Kondensationsreaktion verbinden sich zwei Moleküle unter Abspaltung eines kleinen Moleküls – hier Wasser. Bei der Veresterung reagiert die Carboxylgruppe (–COOH) der Carbonsäure mit der Hydroxylgruppe (–OH) des Alkohols: Beide funktionellen Gruppen treten miteinander in Wechselwirkung, und als Nebenprodukt entsteht ein Wassermolekül. Mehr zur Carboxylgruppe findest du auf der Seite Funktionelle Gruppe der Monocarbonsäuren (Kl. 10).

    Wie läuft der Mechanismus der säurekatalysierten Veresterung ab?

    Der Mechanismus verläuft in vier reversiblen Schritten: (1) Ein Proton (H+) lagert sich an das Carbonyl-Sauerstoffatom der Carbonsäure – es entsteht ein Carbokation. (2) Ein freies Elektronenpaar des Alkohols greift das Carbokation an – es bildet sich ein Oxoniumkation. (3) Nach einer Protonenumlagerung wird Wasser abgespalten und erneut ein Carbokation gebildet. (4) Durch Protonenabspaltung entsteht der fertige Ester, und H+ wird regeneriert.

    Warum führen Hin- und Rückreaktion zum gleichen Endzustand?

    Weil es sich um ein echtes chemisches Gleichgewicht handelt. Das Gleichgewicht wird dynamisch erreicht: Hin- und Rückreaktion laufen gleichzeitig ab, bis ihre Geschwindigkeiten gleich groß sind. Egal ob man mit 1 mol Carbonsäure + 1 mol Alkohol (Hinreaktion) oder mit 1 mol Ester + 1 mol Wasser (Rückreaktion) startet – der Endzustand ist identisch: ca. ⅔ mol Ester und ⅔ mol Wasser liegen neben ⅓ mol Carbonsäure und ⅓ mol Alkohol vor. Mehr zu den Merkmalen eines Gleichgewichts: Merkmale eines chemischen Gleichgewichts.

    Wie kann man das Estergleichgewicht zugunsten des Esters verschieben?

    Nach dem Prinzip von Le Chatelier kann das Gleichgewicht verschoben werden, indem man:
    • einen der Reaktionspartner im Überschuss einsetzt (z. B. mehr Alkohol),
    • ein Produkt laufend entzieht (z. B. Wasser durch Destillation oder mit einem Trockenmittel entfernt).
    Hinweis: Ein Katalysator (konz. H2SO4) beschleunigt lediglich die Gleichgewichtseinstellung – er verschiebt das Gleichgewicht nicht.
    Mehr dazu: Prinzip von Le Chatelier.

    Wie wird das Estergleichgewicht experimentell nachgewiesen?

    Man misst quantitativ die verbliebene Carbonsäuremenge durch Titration mit Natronlauge (NaOH) und dem Indikator Phenolphthalein. Aus dem NaOH-Verbrauch lässt sich n(Carbonsäure) berechnen: n = c(NaOH) · V(NaOH). Beim Gleichgewichtsansatz verbraucht man nur noch ⅓ des ursprünglichen NaOH-Verbrauchs, was zeigt, dass ⅔ der Essigsäure abreagiert haben. Mehr zur Säure-Base-Titration: Säure-Base-Titration (Kursstufe).

    Lernkarten – Estergleichgewicht

    Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.

    1

    Was ist eine Kondensationsreaktion? Nenne ein Beispiel.

    Zwei Moleküle verbinden sich unter Abspaltung eines kleinen Moleküls (z. B. H2O). Beispiel: Veresterung – Carbonsäure + Alkohol → Ester + Wasser.

    2

    Welche Zwischenstufen entstehen im Mechanismus der säurekatalysierten Veresterung?

    1. Carbokation (nach Protonierung der Carbonsäure)
    2. Oxoniumkation (nach Angriff des Alkohols)
    3. erneutes Carbokation (nach Wasserabspaltung)
    → Ester + H+ (regeneriert)

    3

    Was beweist das Estergleichgewicht-Experiment mit zwei Ansätzen?

    Beide Ansätze (1 mol S + 1 mol A bzw. 1 mol E + 1 mol W) führen zum gleichen Endzustand – Beweis für ein echtes dynamisches Gleichgewicht.

    4

    Nenne zwei Maßnahmen, um das Estergleichgewicht auf die Esterseite zu verschieben.

    1. Überschuss eines Reaktionspartners (z. B. mehr Alkohol)
    2. Entzug eines Produkts (z. B. Wasser abdestillieren oder binden)
    → Prinzip von Le Chatelier
    Nicht geeignet: Katalysator – beschleunigt nur, verschiebt nicht.

    5

    Beim GG-Ansatz (1 mol CH3COOH + 1 mol C2H5OH) verbraucht die Titration von 2 ml Probe 3 ml NaOH (0,1 M). Wie viel mol Essigsäure sind noch vorhanden, wenn der Gesamtansatz 50 ml beträgt?

    n(NaOH) pro 2 ml Probe = 0,003 l · 0,1 mol/l = 3·10−4 mol
    → Hochrechnung auf 50 ml: n(CH3COOH) = 3·10−4 · 25 = 7,5·10−3 mol ≈ ⅓ der Ausgangsmenge (erwartet: ⅓ mol)

    Weiter im Kapitel Gleichgewichtsreaktionen

    ← Merkmale eines chemischen Gleichgewichts → Schreibweise und Kollisionsmodell

    🔁 Grundlagen aus Klasse 10: Essigsäure / Ethansäure (Kl. 10) · Alkohole / Alkanole (Kl. 10) · Funktionelle Gruppe der Monocarbonsäuren (Kl. 10)

    ⬇️ Weiter im Kapitel: Prinzip von Le Chatelier · Massenwirkungsgesetz · Ammoniaksynthese

  • 2.6 Schreibweise und 2.7 Kollisionsmodell

    2.6 Schreib- und Sprechweise bei Gleichgewichtsreaktionen

    Man sagt: „Das GG liegt rechts“

    Um zu zeigen, dass das Gleichgewicht rechts liegt, gibt es mehrere Möglichkeiten:

    • Man kann die Produkte "größer" Schreiben (wird so gut wie nie benutzt);
    • Man kann den Pfeil nach rechts dicker machen; 
    • Man kann den Pfeil nach rechts länger zeichen. 

    05-ta-estergleichgewicht--schreibweise

     

    2.7 Estergleichgewicht und Kollisionsmodell

    Problem: Wie ist ein Gleichgewicht zwischen wenigen Säure- und Alkoholmolekülen und vielen Ester- und Wasserteilchen möglich?

    2.7.1 WH: Kollisionsmodell

    {slider title="Wiederholung" open="false" class="icon"}

    Damit Teilchen miteinander reagieren können, müssen sie zusammenstoßen. 
    a) Erklärung: Konzentrationsabhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeit:

     04 kollisionsmodell-zusammenstoss

     

    Reaktionsgeschwindigkeit bei Stoffen zweier Phasen (Aggregatzustände):

    • Können nur an der Phasengrenze miteinander reagieren
    • Je größer die Oberfläche (je stärker der Zerteilungsgrad), desto höher die Reaktionsgeschwindigkeit ⇨ Anzünden eines Feuers

              ⇨ Biologie: Oberflächenvergrößerung/-verkleinerung

    b) Mindestgeschwindigkeit der Teilchen = Temperaturabhängigkeit

    • nicht jeder Zusammenstoß führt zur Reaktion
    • Reaktion setzt eine Mindestenergie und die richtige Orientierung der Teilchen zueinander voraus.

    höhere Temperatur => höhere mittlere Geschwindigkeit der Teilchen
    Mindestgeschwindigkeit vA ist nötig

    Maxwell-Boltzmann-Verteilung bei 3 Temperaturen:

    vgl. Heftaufschrieb. 

    Je höher die Temp, desto mehr Teilchen überschreiten eine gegebene Temp. vA.

    RGT-Regel (Reaktions-Geschwindigkeit-Temperaturregel):
    Bei vielen Reaktionen bewirkt eine Temperaturerhöhung um 10°C eine 2-4 fache Beschleunigung der Reaktionsgeschwindigkeit.

    Zusammenfassung: 3 Faktoren die die Reaktionsgeschwindigkeit beeinflussen:

    1. Konzentration
    2. Temperatur
    3. Sterische Faktoren (v.a. bei großen Molekülen)

    Info: Arrhenius-Gleichung beschreibt die quantitative Abhängigkeit der Reaktionsgeschwindigkeitskonstante k von der Temperatur

     04 arrhenius-gleichung

    k = Geschwindigkeitskonstante
    A = sterischer Faktor (Produkt aus der Stoßzahl Z und dem Orientierungsfaktor P)
    EA = Aktivierungsenergie
    R = 8,314 J/(K mol); Avogadro-Konstante (NA) und Boltzmann-Konstante (kB) R = NA ∙ kB
    T = absolute (thermodynamische) Temperatur (Einheit: K).
    e = Konstante = eulersche Zahl = 2,72
    ⇨T groß ⇨ k groß ⇨ v groß
    ⇨EA klein ⇨k groß ⇨v groß

    {/sliders}

    Zurück zum Problem:  Wie ist ein Gleichgewicht zwischen wenigen Säure- und Alkoholmolekülen und vielen Ester- und Wasserteilchen möglich?

    Wie ist ein Gleichgewicht zwischen wenigen Säure- und Alkoholmolekülen und vielen Ester- und Wasserteilchen möglich?

               S        +             A                       ⇌                  E     +         W

    Weniger Stöße, jedoch größere Erfolgchancen: Teilchen sind reaktionsfreudig   VieleStöße, jedoch geringere Erfolgschancen Teilchen sind reaktionsträge

     

    Merke: Wenige reaktionsfreudige Teilchen können vielen reaktionsträgen Teilchen das Gleichgewicht halten.

    2.7.2 Reaktionsgeschwindigkeit und Katalysatoren

    a) homogene Katalyse: Edukte und Kat. sind in der gleichen Phase (z.B. Lsg)

    • Bildung von Zwischenstufen ⇨ EA ↓ ⇨ vmin ↓

    09-ta-wh-reaktionsgeschwindigkeit-und-katalysator

    b) heterogene Katalyse: Edukte u. Kat bilden 2 verschiedene Phasen


    Edukte werden an Kat.-Oberfläche adsorbiert
    ⇨ Schwächung der Bdg.
    ⇨ günstige Räumliche Orientierung
    ⇨ Erhöhung der Konzentration
    (Bsp. H₂ an Pt-Oberfläche)
    Vermutung: Elektronenüberschuss oder –mangel an Oberfläche.

    c) Autokatalyse: Katalysator entsteht erst durch den Reaktionsablauf ⇨ Reaktion erst langsam ⇨ dann immer schneller (vgl. Abb. S. 80)

    d) Biokatalyse: Enzyme (Proteine, Eiweiße) beschleunigen sehr selektiv Reaktionen ⇨ Bilden Enzym-Substrat-Komplex ⇨ Rkt findet bei Körpertemperatur statt. Substratspezifisch und Wirkungsspezifisch; 

     

     

     

  • 4.3.2 Cellulose

    4.3.2 Cellulose

    Vorkommen: Cellulose ist das in der Natur am häufigsten auftretende Kohlenhydrat. Sie ist die Gerüstsubstanz in der Pflanzenwelt. 
    z.B.: Baumwolle, Flachs, Hanf (fast 100%); Stroh (30%); Holz (40-50% Cellulose).

    Eigenschaften: Cellulose ist eine weiße, in Wasser und in den meisten organischen Lösungsmitteln unlösliche Substanz. 

    Hydrolyse der Cellulose:
    a) Versuch: Filterpapierschnitzel werden mit konz. Salzsäure übergossen. Diese Mischung gibt man in 50 mL Wasser und erhitzt etwa 10 Minuten.
    Anschließend wird die Fehlingsche Probe durchgeführt.

    Beobachtung: roter Niederschlag

    b) Versuch: GOD-Test mit der hydrolisierten Cellulose.
    Beobachtung: Grünfärbung des Teststreifens.

    Folgerung: Cellulose enthält als Baustein D-Glucose.



    c) Versuch: Dünnschichtchromatographie
    Ein Chromatogramm gibt genauen Aufschluss über die Bausteine: Glucose. Bei vorsichtiger Hydrolyse ist außer β-D-Glucose auch noch Cellobiose nachweisbar (Cellobiose ist ein Disaccharid aus 2 ∙ β-D-Glucosemolekülen). 

    Aufbau eines Cellulosemoleküls  


    Lewis-Formel in der Haworth-Projektion - Cellulosemolekül



    Cellobiose

    Ausschließlich β-(1,4)-glycosidische Bindung

    Bei der Cellulose handelt es sich um fadenförmig gestreckes Makromoleküle. Diese Makromoleküle lagern sich zu Elementarfibrillen zusammen (H-Brücken). 


    4.3.3 Unterschied: Cellulose – Stärke

    a) Räumlich unterschiedliche Verknüpfung der Glucoseringe in den Makromolekülen

    Cellulose:                (-Glu-Glu-Glu-Glu- verknüpft  β 1→4)
    Stärke (z.B. Amylose) (-Glu-Glu-Glu-Glu-  verknüpft  α 1→4 )

    b) Unterschiedliche Anordnung der Makromoleküle

    Cellulose: langgestreckte, unverzweigte Kettenmoleküle
    Stärke: verzweigte Kettenmoleküle, die spiralig aufgerollt sind.

    c) Unterschiedliche Molekülmasse

    Cellulose: bis 1,8 Millionen u
    Stärke: bis 50 000 u

    4.3.4 Verwendung der Cellulose

    Nahrungsmittel: Der Mensch kann β-1,4-Bindungen der Cellulose nicht abbauen ( → Ballaststoffe). 
    Im Dickdarm schaffen das anaerobe Bakterien

    →  Umwandlung in Fettsäuren → Resorption. 
    Kühe: Pansen: Mikroorganismen →  Celluloseverdauung
    Pferde u.a. Dickdarm
    Einige Pilze und Silberfischchen (eine der wenigen Tiere mit eigenen Cellulasen). 
    Wichtigste Textilfasern: Baumwolle.
    Aus Hanf, Flachs, Jute werden Leinen, Säcke, Segeltuch, Matten usw. hergestellt.
    Papier



    4.3.4 Derivate der Cellulose


    a) Cellulose – Kunstseiden

    b) Schießbaumwolle (Christian Friedrich Schönbein, Metzinger Chemiker, geb. 1799).
    Schießbaumwolle ist Cellulosenitrat (fälschlicherweise als Nitrocellulose bezeichnet).

    Herstellung der Schießbaumwolle: 20 mL konz. H2SO4 + 10 ml rauchende HNO3 zur Kühlung kaltes Wasserbad; 2 g Watte dazugeben und mit Galsstab umrühren. Nach 10 Minuten wird die veresterte Watte nur gut mit Wasser ausgewaschen und anschließend im Exsikkator getrocknet.
    Schießbaumwolle ist Grundlage für raucharmes Schießpulver, welches das Schwarzpulver ersetzte.  z.T. mit Nitroglycerin versetzt dient die Schießbaumwolle als Sprengmittel mit einem Initialzünder.

    erbrennung
    Normale Watte, die fast ausschließlich aus Cellulose besteht, ist nur schwer brennbar. Schießbaumwolle verbrennt explosionsartig mit einer Stichflamme. Bei der Verbrennung der Schießbaumwolle werden große Mengen stabiler Gase frei, die durch ihre Ausdehnung zu einer Druckwelle führen, die typischerweise eine Explosion begleitet. Die entstandenen Gase sind Stickstoff (N2), Stickoxide (NOx) , Kohlenstoffmonoxid (CO), sowie Kohlendioxid (CO2).

    Reaktionsgleichung der Herstellung von Nitriersäure

    Summenformeln:

    2 H2SO4 + HNO3 → NO2+ + H3O1+ + HSO41- 

    Herstellung von Schießbaumwolle

     Strukturformel - Lewis-Formel - Haworth-Projektion - Schiessbaumwolle - Cellulosenitrat

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