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Chlorwasserstoff-Gas (HCl) reagiert mit Wasser zu Oxonium- und Chlorid-Ionen – das ist eine Protolyse-Reaktion nach Brønsted. Du lernst den Springbrunnenversuch zu erklären, Reaktionsgleichungen in Summenformel- und Lewis-Schreibweise aufzustellen und das Protolysen-Schema (Bergab-Reaktion) zu lesen und anzuwenden.

3 Protolyse-Reaktionen

3.1 Chlorwasserstoff-Gas und Wasser (Springbrunnen)

Chlorwasserstoff: Summenformel HCl  ·  polare Atombindung  ·  Gas  ·  stechender Geruch
Wasser: Summenformel H2O  ·  polare Atombindung  ·  Flüssigkeit  ·  geruchslos

Lewis-Formeln

H — Cl: Chlorwasserstoff
H — O: Wasser
    |
    H

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Lewis-Formeln von Chlorwasserstoff HCl und Wasser H2O mit freien Elektronenpaaren und polaren Atombindungen

a) Versuch:

Springbrunnenversuch: Rundkolben mit Chlorwasserstoff-Gas über Becherglas mit Wasser und Universalindikator – HCl löst sich in Wasser, Unterdruck saugt Wasser hoch

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Springbrunnenversuch mit Chlorwasserstoff und Wasser – vergrößert

⚠️ Hinweis: Im Bild steht „Chorwasserstoff" – korrekte Schreibweise: Chlorwasserstoff.

b) Beobachtung:
Das Wasser „schießt" bergauf in den Rundkolben. Die Indikatorfarbe schlägt nach rot/gelb um. Die rote wässrige Lösung ist geruchlos.

c) Reaktionsgleichung – Struktur/Lewisformel:

Es gibt zwei mögliche Reaktionsgleichungen (wenn man zunächst die Säurestärke vernachlässigt). Welche zwei Reaktionsgleichungen sind das?

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1. Möglichkeit – HCl als Säure, H2O als Base (korrekte Reaktion):

H2O(l)  +  HCl(g)  ⟶  H3O+(aq)  +  Cl(aq)

Wasser        Chlorwasserstoff        Oxonium-Ion     Chlorid-Ion

⇒ bildet zusammen: „Salzsäure"

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Reaktionsgleichung 1. Möglichkeit: HCl gibt H+ an H2O ab – H3O+ und Cl- entstehen (Lewis-Formel)

2. Möglichkeit – H2O als Säure, HCl als Base:

Reaktionsgleichung 2. Möglichkeit: H2O gibt H+ an HCl ab – Hydroxid-Ion OH- und H2Cl+ entstehen (Lewis-Formel-Darstellung)

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2. Möglichkeit – H2O als Säure, Lewis-Formel mit Elektronenpaaren – vergrößert

Chlorwasserstoff ist die stärkere Säure, Hydroxid-Ion (OH) wäre eine sehr starke Base. Durch Elektrolyse wird die 1. Möglichkeit bestätigt: HCl wirkt als Säure.

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Nachweis der gebildeten Ionen:

  • Leitfähigkeitsmessung: Die Lösung leitet elektrischen Strom → Ionen sind vorhanden.
  • Elektrolyse: An der Anode (Pluspol) entsteht Cl2-Gas → Chlorid-Ionen (Cl) müssen vorliegen.

Elektrolyse von Salzsäure im U-Rohr – Nachweis von Chlorid-Ionen durch Chlorgas-Entwicklung an der Anode

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Elektrolyse von Salzsäure im U-Rohr – vergrößert
  • Indikator: Bromthymolblau färbt gelb → Oxonium-Ionen (H3O+) sind vorhanden.

Komplette Lösung:

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Reaktionsgleichung (Lewis-Formel):

Vollständige Reaktionsgleichung in Lewis-Schreibweise: H2O plus HCl Gleichgewicht H3O+ plus Cl- mit Elektronenpaaren und Protonenübertragungs-Pfeil

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Vollständige Reaktionsgleichung HCl und H2O in Lewis-Schreibweise – vergrößert

Reaktionsgleichung (Summenformel):

H2O(l)  +  HCl(g)  ⇌  H3O+(aq)  +  Cl(aq)

Wasser       Chlorwasserstoff       Oxonium-Ion     Chlorid-Ion

„Salzsäure"

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Reaktionsgleichung H2O und HCl als Summenformel mit Produkten Oxonium-Ion und Chlorid-Ion – Salzsäure

Verdünnte Salzsäure enthält hydratisierte Oxonium- und Chlorid-Ionen sowie Wassermolekule.

d) Protolysen-Schema:

Protolysen-Schema („Bergab-Reaktion“) Säuren Basen HCl Cl⁻ H₃O⁺ H₂O H⁺

Originalbild des Protolysen-Schemas ansehen

Protolysen-Schema: HCl überträgt H+ auf H2O – Bergab-Reaktion mit Säuren- und Basen-Stärke-Dreiecken – vergrößert {/sliders}

e) Erklärung:
Chlorwasserstoff-Gas reagiert mit Wasser zu Oxonium-Ionen (H3O+) und Chlorid-Ionen (Cl). Im Kolben entsteht durch das vollständige Auflösen ein Unterdruck. Die H3O+-Ionen färben den Universalindikator bzw. Bromthymolblau rot/gelb.

Salzsäure = wässrige Lösung des Gases Chlorwasserstoff

Leitet man sehr viel HCl-Gas in Wasser ein, reagieren nicht mehr alle HCl-Moleküle mit H2O. Diese HCl-Moleküle liegen „gelöst" vor – es entsteht rauchende bzw. konzentrierte Salzsäure.

Leitfähigkeit Geruch Indikatorpapier Teilchen
Verdünnte Salzsäure + rot H2O, H3O+, Cl
Rauchende Salzsäure + + rot H2O, H3O+, Cl, HCl

Auf einen Blick – die wichtigsten Aussagen

Protolyse (Brønsted)

Eine Protolyse ist die Übertragung eines Protons (H+) vom Protonendonator (Säure) auf den Protonenakzeptor (Base).

Springbrunnen

HCl löst sich vollständig in H2O auf → Ionen bilden sich → Unterdruck entsteht → Atmosphärendruck drückt Wasser hoch.

Bergab-Reaktion

Das Proton wandert von der stärkeren Säure (HCl) zur stärkeren Base (H2O) – immer zur schwächeren Säure/Base hin.

Salzsäure

Salzsäure = wässrige Lösung von HCl. Enthält H3O+, Cl und H2O; konzentriert zusätzlich gelöstes HCl.

Häufige Fragen – Protolyse-Reaktionen

Warum schießt das Wasser beim Springbrunnenversuch in den Kolben?

HCl-Gas reagiert sofort mit dem eingetretenen Wasser zu H3O+- und Cl-Ionen. Dadurch sinkt der Gasdruck im Kolben stark. Der Atmosphärendruck drückt das Wasser durch das Glasrohr nach oben – der „Springbrunnen-Effekt". Die Indikatorfarbe zeigt: die Lösung ist sauer (H3O+-Ionen).

Was ist der Unterschied zwischen Chlorwasserstoff und Salzsäure?

Chlorwasserstoff (HCl) ist ein farbloses Gas mit stechendem Geruch. Salzsäure ist die wässrige Lösung dieses Gases: HCl löst sich in H2O und bildet dabei Oxonium-Ionen (H3O+) und Chlorid-Ionen (Cl). Verdünnte Salzsäure ist geruchlos, da kein HCl mehr als Gas vorliegt.

Was versteht man unter einer Protolyse nach Brønsted?

Nach Brønsted ist eine Säure ein Protonendonator (gibt H+ ab) und eine Base ein Protonenakzeptor (nimmt H+ auf). Eine Protolyse ist die Übertragung eines Protons. Das Protolysen-Schema zeigt: Die Reaktion läuft stets von der stärkeren Säure/Base zu den schwächeren Produkten – die sogenannte Bergab-Reaktion. Mehr dazu: Brønsted-Definition (Kl. 9).

Wie weist man Chlorid-Ionen in Salzsäure nach?

Durch Elektrolyse: An der Anode (Pluspol) entwickelt sich Chlorgas (Cl2), das durch Oxidation von Cl entsteht – direkter Nachweis. Außerdem fällt bei Zugabe von Silbernitrat-Lösung (AgNO3) ein weißer Niederschlag aus Silberchlorid (AgCl) aus.

Was enthält rauchende Salzsäure im Vergleich zu verdünnter Salzsäure?

Verdünnte Salzsäure enthält nur H2O, H3O+ und Cl – alles HCl hat mit Wasser reagiert. In konzentrierter (rauchender) Salzsäure ist so viel HCl gelöst, dass nicht mehr alle Moleküle mit H2O reagieren können. Sie liegen als undissoziiertes HCl vor → stechender Geruch, „Rauchen" an feuchter Luft. Mehr zur Konzentration: Konzentration von Lösungen (Kl. 9).

Lernkarten – Protolyse von Chlorwasserstoff

Klicke auf eine Karte, um die Antwort zu sehen.

1

Was ist eine Protolyse-Reaktion nach Brønsted?

Übertragung eines Protons (H+) vom Protonendonator (Säure) auf den Protonenakzeptor (Base).

2

Erkläre den Springbrunnenversuch mit HCl!

HCl löst sich schnell in H2O → Ionenbildung → Gasdruck sinkt → Atmosphärendruck drückt Wasser nach oben in den Kolben.

3

Warum wirkt HCl als Säure und H2O als Base?

HCl ist die stärkere Säure. Im Protolysen-Schema reagiert immer die stärkere Säure mit der stärkeren Base (Bergab-Reaktion).

4

Welche Teilchen enthält verdünnte vs. rauchende Salzsäure?

Verdünnt: H2O, H3O+, Cl
Rauchend: zusätzlich gelöstes HCl → stechender Geruch

5

Berechne: Welche Masse HCl (M = 36,5 g/mol) steckt in 250 mL 0,2-mol/L-Salzsäure?

n = c · V = 0,2 mol/L · 0,25 L = 0,05 mol
m = n · M = 0,05 mol · 36,5 g/mol = 1,825 g

Weiter im Kapitel Säure-Base-Reaktionen

→ 3.2 Chlorwasserstoff und Ammoniak → Brønsted-Definition → Stärke von Säuren und Basen

🔗 Verwandte Themen: pH-Wert und Oxonium-Ionen  ·  Konzentration von Lösungen  ·  Neutralisation

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